Eine Gasetagenheizung auf Wärmepumpe umrüsten? Für viele klingt das erst einmal nach großem Umbau, viel Abstimmung und zahlreichen offenen Fragen. Ein Pilotprojekt zeigt jedoch, dass der Umstieg im Mehrfamilienhaus auch deutlich pragmatischer funktionieren kann. Die LEG Immobilien SE aus Düsseldorf hat in neun Gebäuden den Einsatz von Luft-Luft-Wärmepumpen in Form von Multi-Splitgeräten getestet. Ziel war es, für dezentral beheizte Wohnungen eine Lösung zur Dekarbonisierung zu finden – ohne kostenaufwendige Zentralisierung der Wärmeversorgung.
Wer heute eine Gasetagenheizung auf Wärmepumpe umrüsten möchte, steht oft vor einer typischen Bestands-Herausforderung: In vielen Wohnungen arbeiten noch einzelne Gas-Kombithermen, teilweise auch Einzelöfen. Gerade in solchen Gebäuden ist eine zentrale Umrüstung häufig nur mit hohem baulichem Aufwand umsetzbar. Genau hier setzt das Projekt an: Es zeigt, wie sich dezentrale Heizsysteme im bewohnten Bestand vergleichsweise schnell ersetzen lassen.
Die Ausgangslage im Überblick:
- neun Gebäude mit Wohnungen von 39 m² bis 80 m²
- unterschiedliche Baualtersklassen und Sanierungsstände
- dezentrale Wärmeversorgung
- häufig Gas-Kombithermen, teilweise auch Einzelöfen
Wärmepumpe statt Gastherme: So sieht die Lösung aus
Im Projekt kamen Luft-Luft-Wärmepumpen in Form von Multi-Splitgeräten zum Einsatz. Die Anlagen werden monovalent betrieben, also ohne zusätzliche klassische Heizung. Als Wärmequelle dient die Außenluft. Die elektrische Anschlussleistung liegt bei 1,8 bis 2,8 kW, die Heizleistung bei 6,4 bis 10,5 kW. In der Regel versorgt eine Außeneinheit drei bis vier Inneneinheiten.
Gasetagenheizung auf Wärmepumpe umrüsten – auch im bewohnten Zustand
Ein besonders interessanter Punkt des Projekts ist die Umsetzung im Alltag: Die Ausstattung der Wohnungen mit Innen-Einheiten, die über den Kältekreislauf mit dem Außengerät verbunden sind, war im bewohnten Zustand in ein bis zwei Tagen möglich. Die Installation erfolgt üblicherweise über der Tür. Für drei bis vier Inneneinheiten wird jeweils ein Außengerät an der Fassade installiert, um die Außenluft als Wärmequelle zu erschließen.
Was bei Bad und Warmwasser mitgedacht werden muss
So praktikabel das Konzept ist: Ganz ohne Zusatzlösungen funktioniert es nicht. Für Bäder sind die Inneneinheiten der Splitgeräte aufgrund der Feuchtigkeit nicht geeignet. Deshalb sind hier Sonderlösungen, zum Beispiel Infrarot-Strahler, notwendig. Auch die Trinkwassererwärmung muss separat gelöst werden. Im Projekt wurden dafür Elektro-Boiler beziehungsweise elektrische Durchlauferhitzer eingesetzt. Da die elektrischen Anschlüsse in den Wohnungen meist nicht für die nötige Leistung von 21 kW ausgelegt sind, kamen teils 80-Liter-Elektro-Boiler mit 2 bis 6 kW zum Einsatz.
Wichtig dabei:
- für Bäder braucht es separate Lösungen
- die Trinkwassererwärmung muss unabhängig vom Heizsystem geplant werden
- die elektrische Anschlussleistung der Wohnungen ist ein entscheidender Faktor
- deshalb sind objektspezifische Lösungen notwendig
Heizen direkt über Luft: effizient und angenehm
Die Beheizung der Räume erfolgt hier direkt über Luftzirkulation statt über den Wasserkreislauf klassischer Radiatoren. Das ermöglicht geringere Vorlauftemperaturen und damit eine höhere Effizienz. Im Projekt wurden Jahresarbeitszahlen von über 3,5 erwartet. Außerdem wurden eine Fernwartung und Effizienzüberwachung angestrebt. Die Planungen sahen zudem eine warmmietenneutrale Umstellung für die Mietenden vor. Auch der Umgang mit der neuen Technik und den Steuerungsmöglichkeiten per Fernbedienung oder App wurde den Mietenden erläutert.
Und wie fühlt sich das in der Praxis an?
Laut den Projekterfahrungen waren die Mietenden überwiegend sehr zufrieden. Die Heizung über Luft wurde als leise, schnell und angenehm empfunden. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass die Außeneinheiten stärker wahrgenommen werden. Deshalb sollen weitere Maßnahmen den Schallschutz verbessern, die Optik und Integration in den Bestand optimieren und Vandalismus vorbeugen.
Was kostet der Umstieg?
Auch wirtschaftlich liefert das Projekt eine klare Orientierung. Die ersten Pilotinstallationen konnten für 10.000 bis 12.000 Euro pro Wohnung umgesetzt werden – inklusive der elektrischen Hausanschlussinstallation und der Trinkwarmwasser-Lösung. Die LEG möchte die Umsetzung weiter standardisieren und künftig in größerem Umfang ausrollen. Ab 2027 sollen jährlich mehrere Tausend Wohneinheiten mit Luft-Luft-Wärmepumpen ausgestattet werden.
Unser Fazit: Bestand kann Wärmepumpe
Das Pilotprojekt zeigt, dass der Umstieg von der Gas-Etagenheizung auf eine Wärmepumpenlösung auch im Mehrfamilienhaus möglich ist – selbst im bewohnten Bestand. Entscheidend sind dabei ein passendes technisches Konzept, eine saubere Planung sowie durchdachte Lösungen für Bad, Warmwasser und die Integration der Außeneinheiten.
KlimaShop! meint: Das Projekt macht deutlich, dass es im Bestand nicht immer die eine Standardlösung gibt. Wer die Rahmenbedingungen des Gebäudes genau betrachtet und Technik, Umsetzung und Alltagstauglichkeit zusammendenkt, kann auch bei dezentralen Heizsystemen tragfähige Wege Richtung Wärmewende finden.
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