Was klingt wie Science-Fiction, wird im Handwerk immer mehr zur gelebten Realität: Exoskelette, also am Körper getragene Stützstrukturen, sollen Fachkräfte bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten entlasten. Wir bei KlimaShop! haben die Technologie über mehrere Wochen hinweg direkt im Arbeitsalltag erprobt – und dabei wertvolle Erkenntnisse gewonnen.
Was sind Exoskelette überhaupt?
Exoskelette sind außen am Körper getragene Systeme, die Muskeln und Gelenke bei belastenden Tätigkeiten mechanisch unterstützen. Passive Modelle nutzen dabei Federn oder elastische Elemente, um Bewegungen abzufedern und Kräfte umzuverteilen – ganz ohne Strom oder Akku. Aktive Modelle gehen noch einen Schritt weiter und greifen motorisch ins Geschehen ein.
Für ein Unternehmen wie KlimaShop! klingt das reizvoll: Überkopfmontage von Deckenkassetten, das Tragen schwerer Außengeräte durchs Treppenhaus, stundenlanges Arbeiten in ungünstigen Haltungen – das ist unser Alltag. Körperliche Belastung gehört zum Job. Aber muss das so bleiben?
Der Testansatz: Sechs Wochen, drei Modelle, echte Baustellen
Gemeinsam mit unserem Projektbegleiter Blue Advisory haben wir zwischen Februar und März 2026 insgesamt drei passive Exoskelett-Modelle unter realen Bedingungen erprobt:
- Apex 2 von HeroWear (Rückenunterstützung)
- SoftExo Carry von Hunic (Rückenunterstützung)
- OmniSuit von Auxivo (Rücken- und Schulterunterstützung)
Drei unserer Monteure – Darius, Maximilian und Timo – haben die Geräte über sechs Wochen hinweg auf verschiedenen Baustellen getragen. Begleitet wurden sie dabei von punktuellen Beobachtungen, strukturierten Interviews und einem ausführlichen Fragebogen. Das Testkonzept war dabei bewusst praxisnah: Keine künstlichen Laborbedingungen, sondern echter Alltag auf echten Baustellen.
Was haben unsere Monteure erlebt?
Das Handling überzeugte: Alle drei Tester bestätigten, dass sich die Exoskelette nach kurzer Eingewöhnung schnell an- und ausziehen lassen – in etwa 30 Sekunden. Das ist ein wichtiger Punkt, denn der Gedanke, ein Exo nur für einzelne schwere Handgriffe anzulegen, ist nur dann praktisch, wenn es wirklich unkompliziert geht.
Die Unterstützung ist spürbar – bei den richtigen Tätigkeiten: Bei Tätigkeiten wie dem Tragen schwerer Außengeräte, der Überkopfmontage von Deckenkassetten oder dem Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen (zum Beispiel in der Zwischendecke auf der Leiter) haben die Modelle nachweislich geholfen. Darius berichtete zum Beispiel, dass das Exo beim Einfädeln von Klimageräten an die Decke spürbar unterstützt hat. Maximilian beschrieb, wie das Gerät den Rücken „versteift” und damit auch bei Überkopfarbeiten eine merkliche Entlastung bringt.
Die Bewegungsfreiheit macht den Unterschied: Das Klimahandwerk hat nun mal seine ganz eigenen Tücken – Euroraster-Decken, enge Zwischendecken, Leitern in schmalen Treppenhäusern. Hier zeigte sich, dass schlanke Modelle wie der Apex 2 klar im Vorteil sind. Voluminösere Modelle mit breiterem Schulterrahmen stoßen in solchen Situationen schnell an ihre Grenzen.
Das Taschenproblem bleibt real: Ein wiederkehrendes Thema war der eingeschränkte Zugang zu Hosentaschen und Werkzeug. Wer auf der Baustelle ständig Schraubenzieher, Messer und Messgeräte griffbereit braucht, merkt schnell, wenn ein Exo dabei im Weg ist.
Das Exo als Spezialwerkzeug – mit dem richtigen Timing: Wie ein guter Akkuschrauber seinen größten Nutzen entfaltet, wenn man ihn wirklich braucht, gilt auch hier: Ein Exo zahlt sich dann aus, wenn geeignete Tätigkeiten gehäuft auftreten. Wer an einem Tag ein Splitgerät trägt und danach leichte Wartungsarbeiten erledigt, wird das Gerät zwischendurch gerne mal ablegen – und das ist völlig in Ordnung. Die Kunst liegt darin, die richtigen Einsatzmomente zu erkennen und die Arbeit entsprechend zu planen. Klingt nach einer kleinen Herausforderung für die Einsatzplanung – ist aber gut lösbar!
Unser Fazit: Sinnvoll – aber mit dem richtigen Einsatzkonzept
Die Tests haben gezeigt: Exoskelette können im Klimahandwerk echten Mehrwert bringen. Besonders vielversprechend sind sie überall dort, wo körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten gehäuft auftreten – also auf größeren Baustellen oder bei Projekten mit vielen gleichartigen Montageschritten.
Gleichzeitig ist klar: Ein Exo ist kein Allroundwerkzeug, das man einfach den ganzen Tag trägt. Der Nutzen hängt stark davon ab, wie oft und wie lange geeignete Tätigkeiten vorkommen. Und: Das ideale Modell, das Rücken und Schultern entlastet, beweglich bleibt, Platz für Werkzeug lässt und trotzdem gut sitzt, gibt es heute noch nicht vollständig „von der Stange”.
Einer unserer Monteure brachte es im Test treffend auf den Punkt und prägte dabei gleich seinen eigenen Begriff: das „Pool-Exo” – also ein geteiltes Gerät, das man sich bei absehbarem Bedarf wie ein Spezialwerkzeug ins Auto packt. So könnten Teams gezielt auf die Technologie zurückgreifen, ohne dass jeder Monteur dauerhaft damit arbeiten muss – und wer weiß, vielleicht setzt sich der Begriff ja noch durch!
Wir bleiben an dem Thema dran. Denn wer sich um das Klima unserer Kunden kümmert, sollte auch auf das Wohlbefinden seiner eigenen Leute achten – und das fängt beim Rücken an!






















